Unitymedia DS-Lite, ein Technicolor-Modem und Zugriff auf CherryMusic von unterwegs

So, nach zwei langen Nächten und viel Kopfzerbrechen habe ich es endlich geschafft, dass ich von unterwegs auf meine MP3-Bibliothek zugreifen und die Musik mit CherryMusic streamen kann!
Am Ende war es wieder nur eine klitzekleine Kleinigkeit und aus zwei Nächten wären zwei Minuten geworden.
Aber der Reihe nach…

Am Anfang stand der unbändige Wunsch, meine Musiksammlung immer und überall dabei zu haben und das nach Möglichkeit ohne Google…
Da zuhause bereits seit längerem ein RasPi I für die Verteilung der Musik zuständig war und ist, sollte es ja kein Problem sein, diesen auch ins Netz zu stellen.
Ja – sollte! Als Unitymedia-DS-Lite Kunde und einem TC7200 als Modem eine nette Abendbeschäftigung ;-).

An dieser Stelle möchte ich keinen Roman verfassen, sondern allen Leidgeplagten meine Konfigurationsschritte aufzeigen.

Übrigens:
Wer über die Anschaffung eines Pi nachdenkt, der kann sich z. B. bei Amazon für knapp 70 Euro ein günstiges Komplettset beschaffen.

Um die einzelnen Schritte durchzuführen sollte man sich via Putty o. ä. mit dem kleinen Freund SSH-mäßig (root) verbinden. Ein bereits vorinstalliertes Raspbian setze ich ebenso voraus, wie eine installierte IPv6-Unterstützung.
Wer sich nicht sicher ist, ob IPv6 auf dem RasPi bereits installiert / konfiguriert ist, der sollte noch kurz einen Abstecher hierhin machen.

Wenn nach der Aktivierung von IPv6 mit ifconfig keine IPv6-Adresse angezeigt wird, muss die sysctl.conf mit

geprüft und ggf. um folgende Zeilen erweitert werden:

Diese Einstellungen können im Anschluss mit

aktiviert werden.
ifconfig sollte dann eine IPv6-Adresse ausweisen.

Schritt 1 – Installation von CherryMusic und benötigten Paketen
(CherryMusic ist ein browserbasiertes Streaming-Tool, welches in Pyhton geschrieben ist.)

Sollte Python (aktuell Version 3.4) noch nicht installiert sein, erledigt man das via:

Hinweis:
Ich empfehle außerdem, den Standard-SSH-Port zu ändern.
Über

öffnet man die Konfigurationsdatei und ändert die Zeile mit

auf z. B.

oder auf einen anderen, nicht standardisierten, Port ab.

Dann kann es ja endlich mit der Hauptaufgabe losgehen!

Evtl. Fragen, die sich auf die Konfiguration von PHP beziehen habe ich durchweg mit N (Nein) beantwortet.

Schritt 2 – CherryMusic installieren

Der Port für CherryMusic ist hier natürlich frei wählbar.
Die Frage Download cherrypy now? (y/n) sollte natürlich mit Y beantwortet werden.

Schritt 3 – CherryMusic starten

Durch Aufruf von http://IPdesRaspberry:3128 kann CherryMusic dann erstmals gestartet werden.
Hier ist noch anzugeben, wo sich das Basisverzeichnis mit der schönen Musik befindet – also entweder /mnt/USB für eine angeschlossene USB-Festplatte oder /mnt/NAS für ein NAS.
Die Konfiguration ist damit dann abgeschlossen und dem Streaming – zumindest im lokalen Netz – steht nichts mehr im Weg!

Aber halt!
Damit das Ganze beim Neustart des RasPi auch mitstartet folgt noch

Schritt 4 – Cronjob anlegen

Folgende Zeile ans Ende anfügen:

Hinweis:
Ist cron (noch) nicht installiert, was sich meist an Meldungen wie unkown command ablesen lässt, kann dies mit

nachgeholt werden.

Der letzte Schritt – IPv6 für CherryMusic aktivieren

Hierzu muss die Konfigurationsdatei von CherryMusic geöffnet werden:

In der Datei etwas nach unten scrollen und den Eintrag ipv6_enabled von false auf true ändern, also so:

Mit STRG+X, Y und ENTER die Einstellung speichern.

Jetzt zu Unitymedia und DS-Lite – die unendliche Geschichte!
Ich will nicht lange auf die technischen Hintergründe und Besonderheiten zu DS-Lite eingehen – nur soviel:

Jeder DS-Lite-Kunde teilt sich eine IPv4 mit mehreren anderen Nutzern.
Das hat zur Folge, dass auf dieser Basis keine eindeutige Zuordnung gemacht werden kann.
Zwar hat jedes Gerät im eigenen Netz eine eindeutige IPv6-Adresse, was kein Problem wäre, wenn alles bereits IPv6-tauglich wäre.
Versucht man aber von einem IPv4-Netz (z. B. Mobilfunk) auf eine IPv6-Adresse zuzugreifen, ist dies zum Scheitern verurteilt.

Die Lösung – Einrichtung eines DynDNS-Accounts inkl. Portmapper

Wie viele andere Leidensgenossen, habe ich dies bei feste-ip.net durchgeführt.
Es handelt sich hierbei um einen kommerziellen und deutschen Anbieter.
Die Kosten: Die ersten 50 Tage – quasi Testphase – kostenlos, danach knappe fünf Euro pro Jahr.

Es gibt durchaus auch kostenlose DynDNS-Dienste (dnshome, dnsdynamic).
Allerdings konnte ich mit diesen nicht immer gute Erfahrungen in Bezug auf Stabilität / Verfügbarkeit machen.

Zuerst besorgen wir uns also einen kostenlosen Account.
Danach loggen wir uns ein und legen unter Dynamisches DNS einen neuen Alias an (z. B. MusikMachtSpass.feste-ip.net oder was auch immer).

WICHTIG!
Die im Anschluss angezeigten Daten bitte speichern (z. B. in LPS oder von mir aus auch in einer Textdatei).
Damit die IP-Adresse auch immer schön aktualisiert wird, muss nun auf dem RasPi noch ein DynDNS-Client installiert werden, was mittels SSH-Sitzung (Putty) so aussehen kann:

Es öffnen sich nun einige Konfigurationsdialoge, die wie folgt beantwortet werden sollten:

  • Anbieter des dynamischen DNS-Dienstes: Anderer
  • Dynamischer DNS-Server: members.feste-ip.net
  • Protokoll für die dynamische DNS-Aktualisierung: dyndns2
  • Benutzername für den dynamischen DNS-Dienst: HOST ID des zuvor angelegten Accounts
  • Passwort für den dynamischen DNS-Dienst: Das Passwort des zuvor angelegten Accounts
  • Netzwerkschnittstelle für den dynamischen DNS-Dienst: Entweder eth0 oder wlan0 – je nachdem, wie der RasPi eingebunden ist

Zum Schluss noch den ausgewählten DDNS-Alias angeben – in meinem Beispiel MusikMachtSpass.feste-ip.net – und fertig!

Einrichtung des Portmappers

Zurück zu feste-ip.net.
Nochmals in den Account einloggen und unter Universelle Portmapper zunächst die Authentifizierung via SMS durchführen.
Anschließend unter dem Punkt Dynamisches DNS den zuvor erstellten Account auswählen.

Bei der Option IPv4/IPv6 Verhalten sollte Dual: Beide Updates gleichzeitig zugelassen ausgewählt werden.
Im Feld IPv4 Adresse sollte bereits eine IP-Adresse angezeigt werden (-> wieistmeineip.de).
Im Feld IPv6 Adresse muss die IPv6-Adresse des RasPi eingetragen werden, welche über ifconfig in der SSH-Sitzung ermittelt werden kann:

IPv6

Diese Einstellung dann speichern und oben rechts auf IPv6-Features klicken:

IPv6 Features

Auf der folgenden Seite oben rechts auf Ein neues Portmapping erstellen klicken:

Portmapping

Hier gibt man unter Zielport den Port für CherryMusic (in diesem Beispiel 3128) an.
Nach dem Speichern der Einstellung ist der Portmapper angelegt und über die URL in der Spalte Per IPv4 erreichbar über fast schon zu erreichen.
Es fehlt jetzt nur noch die Konfiguration des prachtvollen und unerreichten TC7200!

Port-Weiterleitung im Technicolor-Modem (TC7200) anlegen

Standardmäßig ist dieses Wunderwerk der Modem-Technik unter der lokalen IP-Adresse 192.168.0.1 erreichbar.
Nach der Anmeldung sollte zuerst geprüft werden, ob der „normale“ Firewall-Schutz auf Stufe „Niedrig“ (Default: Niedrig) eingestellt ist – ansonsten wird’s nix!

Firewall-Schutz

Genannte Einstellungen findet man unter dem Punkt Fortgeschritten -> Firewall.

Weiter geht’s zum Menüpunkt Weiterleitung.

Nach Klick auf Zeile hinzufügen gibt man – gemäß CherryMusic-Konfiguration – folgende Werte ein:

  • Öffentlicher Port-Range: 3128-3128
  • Lokale IP-Adresse: IPv6 des RasPi – (ifconfig, s. weiter oben)
  • Ziel-Port-Range: 3128-3128
  • Protokoll: TCP

Anschließend natürlich das Speichern nicht vergessen.

Wenn jetzt alle Schritte richtig durchgeführt wurden und ich keine Fehler eingebaut habe, sollte der Zugriff auf CherryMusic über die im Portmapper angegebene URL möglich sein.
Glückwunsch!

Da ich das alles nicht selbst erfunden habe, sondern den Großteil dieser Schritte ergoogelt habe, hier noch ein paar Quellenangaben:

  1. DS Lite – Raspberry Pi mit Portmapper über das Internet erreichen
  2. How to install and configure CherryMusic on a Debian Wheezy (headless) server
  3. Feste-IP.net – Supportforum

Warum ich dafür zwei Nächte gebraucht habe?
Schlicht und einfach: Weil ich ewig nicht darauf gekommen bin, CherryMusic mit

zu betreiben und den Fehler immer an einer anderen Stelle vermutet habe…

Dieser Beitrag ist übrigens auch in der Conrad-Community zu finden.

2 comments on “Unitymedia DS-Lite, ein Technicolor-Modem und Zugriff auf CherryMusic von unterwegs

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