R. I. P. Sage New Classic? Oder: Wann gibt’s mal wieder richtig gute, neue Features?

Das Schöne an einem Blog ist es ja, dass man seine eigene Meinung frei äußern kann und darf.
Von diesem Recht möchte ich heute einmal Gebrauch machen und ein bisschen über die Sage New Classic aus Anwendersicht philosophieren.
Gerne dürfen auch Sie mit Ihren Kommentaren meine Sichtweise ergänzen. Sie sind herzlich eingeladen.

Die Sage New Classic (SNC) bzw. Classic Line war bis vor einigen Jahren noch das Hauptaufgabengebiet meiner hauptberuflichen Tätigkeit.
Das dürfte inzwischen aber schon 4-5 Jahre her sein (wenn nicht noch länger). Seitdem beobachte ich die Szenerie quasi noch etwas aus dem Augenwinkel und höre auch manchmal mit, wenn sich Kollegen darüber unterhalten. Außerdem darf ich mich ab und an noch im Rahmen von Schnittstellen und Auswertungen mit der Datenhaltung dieses ERP-Systems auseinandersetzen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema:

Was waren das für Zeiten, als es hieß, die damals angestaubte Classic Line bekommt endlich, nach einer Reihe von Facelifts, eine richtige Datenbank spendiert…
Weg vom proprietären Format und hin zur performanten und flexiblen MySQL-Datenbank und freier Datenhaltung für alle.

Dachte man… Nun – es kam ein klein wenig anders als gedacht.

O. K. – die Datenbank gab es dann auch und damit auch einige Vorteile, wie z. B. die Möglichkeit des direkten Datenzugriffs ohne die Nutzung des von Sage bereitgestellten, recht langsamen ODBC-Treibers. In Verbindung mit dem Sage Aufgabencenter, welches wohlgemerkt nicht aus dem Hause Sage stammt, sondern schon lange von der Firma Logisoft entwickelt wird, lassen sich damit sogar recht interessante Auswertungen erstellen.

Auswertungen und Listen (z. B. über das Datenbankfrontend der SNC) waren und sind aber, was die Performance betrifft, nicht wirklich berauschend.
Von evtl. auftretenden Satzsperren ganz zu schweigen.

Es ist mir und anderen Anwendern auch klar, dass man nicht innerhalb kürzester Zeit von jedem Programm / Modul der SNC nativ auf die MySQL-Daten zugreifen kann.
Hierzu würde bei einer Anwendung kein Stein auf dem anderen bleiben und die Umstellung käme einer kompletten Neuentwicklung gleich. Aber was spricht dagegen, dies nach und nach in Angriff zu nehmen?

Gut, nach erfolgter Umstellung auf die neue Datenhaltung wurden auch noch einige Schmankerl serviert, so z. B. die Matchcodesuche mit Filter, der Schnellerfassungsmodus usw..
Hier wurde viel gut und richtig gemacht.

Gehe ich aber von heute aus drei Jahre zurück und sehe mir an, was es seither Neues gab, so fällt mir ehrlich gesagt und geschrieben nichts Prickelndes ein. Ich gehe schwer davon aus, dass ich nicht der Einzige bin, der das so sieht.
Das beste Beispiel ist hier die kürzlich veröffentlichte und per LiveUpdate!! erhältliche Sage New Classic 2016. Früher waren Updates immer für ein Abenteuer gut und jetzt werden diese per LiveUpdate ausgeliefert? O. K. – kann man dann als Anwender wenigstens selbst machen, sofern man keine angepassten DLLs hat und braucht nicht den sowieso viel zu teuren Fachhändler!

Ähm – aber mal ehrlich: Die Sache mit dem Dashboard ist jetzt nicht wirklich der große Wurf und sieht eher aus wie HTML mit Tabellen.
Da hätte ich mir von einer aktuellen Software etwas mehr erwartet – so z. B. die freie Anordnung der Elemente, Integration von Aufgabencenter-Präsentationen, usw…

Nüchtern betrachtet sieht es für mich so aus, dass Sage hier nicht viel Energie für die Weiterentwicklung einer an und für sich sehr mittelstandskonformen ERP-Lösung aufbringt.
Der Anfang wäre doch eigentlich gemacht.
Und Fakt ist auch:
Das Preis- / Leistungsverhältnis bei der Anschaffung dieser ERP-Lösung stimmt!

Nur ich persönlich würde mich langsam fragen – sofern ich persönlich Lizenznehmer wäre – warum ich Jahr für Jahr einen Betrag X an Wartung zahle und im Prinzip dafür nur sehr wenig Gegenleistung bekomme. Meines Wissens wurde bei Umstellungen von der alten auf die neue Datenhaltung sogar noch ein zusätzlicher Obolus fällig. D. h., die neue Technologie war nicht in der jährlichen Wartung enthalten.

Ich denke, nicht nur bei mir ist der diesbezügliche Frust etwas groß und staut sich immer mehr an.
Schade um ein wirklich gutes ERP-System, dessen Weiterentwicklung aus meiner Sicht mehr als fraglich ist.

Aber auch hier gilt vielleicht der Spruch: Totgesagte leben länger!

Wohlgemerkt:

Das ist meine persönliche Meinung!
Sollten Sie als Leser dieses Artikels anderer Ansicht sein, so hinterlassen Sie doch einen Kommentar und starten Sie evtl. eine kleine Diskussionsrunde.
Würde mich sehr freuen!

In diesem Sinne…

19 comments on “R. I. P. Sage New Classic? Oder: Wann gibt’s mal wieder richtig gute, neue Features?
  1. sage hat die rosa Brille auf!

    sage sagt, wir haben ein Top-Produkt (sage 100)!

    sage langt mir als Unternehmer jedes Jahr (sogar mehrmals) in die Tasche mit fadenscheinigen Argumenten!

    sage erhöht zusätzlich jedes Jahr die Wartung ohne Gegenleistung!

    sage macht Versprechungen und hält sie nicht!

    sage entwickelt keine eigenen Produkte, sondern kauft diese nur und stösst Sie wieder ab (z. B. ACT!)! Hinterher muss der Kunde sehen wie er klar kommt!

    sage setzt auf seine Fachhändler von denen 80% nur verkaufen und den Kunden sitzen lassen (selbst schon mehrfach gewechselt)!

    Wann gehen die Kunden zusammen an die Öffentlichkeit?
    Wann laufen endlich die Kunden in Scharen diesem „Softwarehersteller“ weg?

    Vor allem:
    Wer kann mir endlich eine gute, ehrliche und bezahlbare Alternative und einen vernünftigen Partner nennen?

  2. Lieber Herr Lexa,

    „…Von diesem Recht möchte ich heute einmal Gebrauch machen und ein bisschen über die Sage New Classic aus Anwendersicht philosophieren….“
    Von philosophieren kann hier keine Rede sein!

    Ich bin selbst Unternehmer und das seit 30 Jahren. Seit 30 Jahren setzt mein Unternehmen die Classic Line ein und seit ein paar Jahren die Sage New Classic (im Übrigen seit 5 Jahren auch DocuWare ;-)).

    Die Classic Line hat meinem Unternehmen seit den genannten 30 Jahren gute, wenn nicht sogar beste, Dienste erwiesen und ich glaube, dass das auch für die kommenden Jahre gelten würde. Allerdings bekomme ich seit mehreren Monaten gehäufte Anrufe von sage und diese Callcenter-Agenten versuchen mich immer wieder davon zu überzeugen, dass meine Software-Lösung dem alten Eisen angehört.

    Ich glaube mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben, meine Vor-Schreiber haben das bereits für mich getan!

    Aber noch immer hat sich kein sage-Verantwortlicher hier geäußert und das liegt vermutlich daran, dass es einfach noch keiner gelsen oder mitbekommen hat.

    Trotzdem vielen Dank dafür, dass Sie Herr Lexa den ersten Schritt gewagt haben!

  3. Nachdem Sage nun aktiv uns SNC-Kunden zu einem Upgrade auf die Office Lilne „zwingt“ und es hierfür angeblich schon ein universelles Werkzeug gibt mit dem man alle Daten übernehmen kann, wird es wohl nicht mehr lange dauern bis die SNC beerdigt wird.

    Nach Auskunft von Sage wird auch nur noch die Office Line weiterentwickelt da es das modernere Produkt ist. Aber was ist an Access modern? Hat Microsoft Access nicht bereits abgekündigt (bis 2018)? Hat Sage nicht selbst zugegeben, dass man sich so nschnell nicht von Access verabschieden kann und wird?

    Irgenwie passt das alles nicht so recht zusammen und die ständigen Anrufe von sage nerven nur noch!
    Was waren das noch für Zeiten als in Frankfurt noch im Sinne des Kunden gehandelt wurde. Diese Zeiten sind aber schon lange, zu lange vorbei.

    Gruß
    Peter

  4. Vor allem langjährige Sage Kunden werden bei den ganzen Änderungen nicht mitgenommen sondern nur noch gemolken.

    Immer wieder Preisänderungen obwohl bei vorangegangen Versionswechseln oder Technologiewechseln behauptet wurde, dass das dann nicht mehr vorkommen würde!
    Oder wie vom Autor des Beitrags geschildert: Es wird nur noch gemolken, ohne dass es einen spürbaren Gegenwert gibt!

    Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass das nicht mehr lange gutgehen wird und irgendwie hoffe ich das auch.

    Was mich wundert: Wenn ich auf diesen Blogbeitrag gestoßen bin, dann gehe ich davon aus, dass auch Sage diesen Beitrag kennt. Warum wagt es dann niemand, sich offiziell hierzu zu äußern.
    Übrigens: Ich habe ein Sage-Forum gefunden, welches anscheinend nicht von Sage ist. Wer sich also etwas Luft machen möchte: http://www.sage-forum.de/

  5. Mir fallen nur noch drei Worte für das Gebahren dieser Heuschrecke ein: Abzocke, Abzocke, Abzocke!

    Lasst Euch nicht länger verarschen Leute!

  6. Hallo Herr Lexa und vielen Dank für diese Plattform / Diskussion (komischerweise nimmt trotz offensichtlich herrschendem Leidensdruck fast niemand daran teil…).

    Ich möchte hier kurz „meine“ ERP-Geschichte teilen:

    Ich bin in einem mittelständischen Unternehmen (ca. 200 MA) als interner IT-Admin / -Programmierer tätig und wir haben vor ca. 3 Monaten den Wechsel von der Sage OL zu myfactory gewagt. (Zugegeben: An der Entscheidung war ich nicht beteiligt).
    Ich habe mich zuvor auch jahrelang mit der „Programmierung“ unter VBA (OL-Access) usw.. beschäftigt.
    Der Wechsel auf das neue System ging relativ reibungslos über die Bühne und hat sich in meinen Augen definitiv gelohnt!!

    Das Thema Vor- und Nachteile hat sich von selbst erledigt, da die neue Lösung zu 100% webbasiert ist!
    Auch das Thema Anpassung kann ich mit meinen rudimentären Kenntnissen in .NET und Javascript schon fast selbst erschlagen – und wenn nicht, greife ich auf das Know-How unseres betreuenden Partners zurück!

    Sage war vor ca. 10 Jahren noch das non-plus-ultra in Sachen ERP und warum die das Zepter so einfach aus der Hand geben erschliesst sich mir nicht im Mindesten.

    Ich kann nur jedem Leidgeplagten den Rat geben, sich nach einer Alternativ-Lösung umzusehen (so hart wie das auch klingt), denn mit Lösungen von Sage hat man meiner Meinung nach keine Zukunft im globalen Wettbewerb!

    Lg
    Julius

    • Hinter myfactory steht Marco Gerlach. der Mann der nahezu jeden Code der Office Line früher noch zu KHK Zeiten geschrieben hat. Offensichtlich hatte er Ideen die bei KHK/Sage niemand wollte. Hätten Sie mal auf Ihren Entwickler gehört !

      • Hätte man vielleicht auch mal auf die Kunden und Händler gehört und nicht nur Geld für leere Versprechungen eingesackt.
        Ein Trauerspiel auch die immer wieder angekündigten neuen Technologien und weg von diesem schon lange nicht mehr zeitgemäßen Access!
        Und was passiert: Die Wartungspreise werden Jahr für Jahr erhöht und technologisch und funktional ändert sich nichts!!

    • Bei diesem Kommentar (s. Link) musste ich schmunzeln. Quellcode aus dem Jahr 1999! Ist damit der Access-VBA-Code gemeint. Oh mein Gott, arme Sage-ERP-Welt!

  7. Bin durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen und möchte mir auch mal Luft machen bevor der Kragen platzt.
    Umlizensierung? Wartungserhöhung? Mit was wird das gerechtfertigt??? Seid Jahren keine neuen Funktionen und wenn dann kostenpflichtig!

    Wenn ich so mit meinen Kudnen umgehen würde, wäre ich ruckzuck weg vom Fenster! Mir reichts jetzt endgültig. Für das in den letzten Jahren investierte Geld in die OFfice Line hätte ich mir schön längst eine andere Software anschaffen können, was ich jetzt auch tun werde!

    Adieu Sage!

    • Leider ist aber ein Umstieg auf ein anderes Programm auch immer mit hohen Kosten verbunden. Hier spielen nicht nur die reinen Lizenzkosten eine Rolle weil ja irgendwie die bestehenden Daten in das neue Programme übernommen werden müssen. Da ich selbst auch sehr wechselwillig bin meine Frage:
      Kennt jemand ein zukunftsfähiges Programm welches auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ernsthaft weiterentwickelt wird?

      • Es gibt viele Alternativen zur alten Office Line, ob die alle was taugen kann ich natürlich nicht sagen. Viel schlechter können die aber auch nicht sein ;).
        Was ich mir bisher habe zeigen lassen:
        selectline (http://www.selectline.de/),
        softengine büroware (https://www.softengine.de/)
        myfactory (http://www.myfactory.com)

        Zwischen denen wird wohl eine Entscheidung fallen.

        Was mich außerdem wundert ist die Tatsache, dass sich bei der großen anzahl von unzufridenen SAge-Benutzern nur die wenigsten öffentlich äußern. Die große Welle kommt wahrscheinlich erst noch.

  8. Als CRM und Sage New Classic nutzer nervt es mich auch immer an, dass man Classic Line Updates nicht gleich nach der Veröffentlichung installieren kann und immer ein halbes Jahr auf die Veröffentlichung der passenden Synchronisationskomponente warten muss. Man ist also nie auf dem aktuellen Stand und das obwohl man Produkte aus einem Haus und von einem Hersteller gekauft hat.
    Das wurde uns beim Kauf auch so nicht mitgeteilt!

  9. Sage hat den Anschluss vollkommen verschlafen. Schade ich arbeite seid über 25 Jahren nur mir Sage, aber wenn nicht bald was kommt war es das.

  10. Prinzipiell stimme ich Deinen Aussagen zu.
    Als KHK-Anwender der ersten Stunde stimmt es mich traurig zu sehen, dass die Weiterentwicklung in den letzten Jahren einem Stillstand gleicht.

    Und Sage feiert sich weiter selbst…

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